Selbstbewusst als Christ leben - Bibelverstehen - Bibelverstehen

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Christ sein im Alltag
Selbstbewusst als Christ leben

Wer Christ ist und versucht, sein Leben nach der Lehre Jesu auszurichten, hat nicht unbedingt immer ein positives Bild von sich selbst, denn auch Christen stellen sich die Frage nach dem eigenen Wert.
Ist das überhaupt notwendig? Brauchen Christen Selbstbewusstsein? Besteht da nicht die Gefahr, sich in seiner Selbstliebe zu verstricken und seinen Nächsten dabei völlig zu vergessen? Darüber hinaus stellt sich auch die Frage, welchen Platz wir als Christen einnehmen sollen und wie unsere Rolle in der heutigen Welt aussieht.
Allgemein gilt, dass Menschen, die kein starkes Selbstwertgefühl haben, es in der heutigen Welt sehr schwer haben. Umso schwieriger mag es für die Nachfolger Christi sein, denn wer will heute noch etwas von der Lehre Gottes wissen und sie befolgen. Wer heute zu seinem Glauben steht, wird verlacht, in manchen Ländern sogar verfolgt.


Ein Gott, der uns liebt

Lange hat das von der katholischen Kirche vermittelte Bild eines strengen und zornigen Gottes, der uns für unsere Sünden bestraft und leiden lässt, die Gläubigen geprägt. Gottes Botschaft, die uns durch Jesus Christus verkündigt wurde, ist aber eine andere: Wer Gottes Gebote hält, sich selbst verleugnet und die werktätige Liebe ausübt, erhält die Vergebung seiner Schuld und wird erlöst aus der Knechtschaft der Sünde und des Todes.

Gott hat die Menschen nach Seinem Ebenbild geschaffen (1. Mo 1,27) und liebt sie wie ein Vater seine Kinder. Als Mensch göttlichen Ursprungs ist also jeder von uns in Gottes Augen wertvoll und einzigartig, gleich welchen Geschlechts, welcher Herkunft und welchen Alters er auch ist.
Gott sagt: „Hab keine Angst, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du gehörst mir. Wenn du durch Wasser gehst, werde ich bei dir sein; Ströme sollen dich nicht überfluten! Wenn du durch Feuer gehst, wirst du nicht verbrennen; die Flammen werden dich nicht verzehren! Denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. […] Weil du in meinen Augen kostbar bist und wertvoll und weil ich dich liebe, opfere ich Länder an deiner Stelle und Völker für dein Leben.“ (Jes 43,1-4).
Wenn wir diese Aussage verstehen und verinnerlichen, wird es für uns einfacher sein, uns selbst und unser Leben anzunehmen.


Gottes Opfer für uns

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16)

Jesus Christus ist für uns Menschen am Kreuz gestorben; Er hat unsere ganze Schuld auf sich genommen, damit wir frei von den Banden des Todes werden und in Sein Reich eingehen können.
Dieses Opfer ist ein Zeugnis der Liebe Gottes zu uns: Es zeigt, dass Gott jeden von uns annimmt und jeden von uns erlösen will. Auch während seiner Lehrjahre zeugte Jesus davon: Er ging zu den Armen und stärkte sie, heilte die Kranken, vergab den Sündern; selbst am Kreuz versprach Er dem reuigen Schächer, dass er noch am selben Tag im Paradies sein werde (Lk 23,43).

Diese unendliche Liebe ist von zentraler Bedeutung für unsere Selbstannahme. Wenn wir an unserem Wert zweifeln, wenn wir denken, dass wir unwürdig für diese Liebe oder für das Leben hier auf der Erde sind, können wir in der aufopferungsvollen und bedingungslosen Liebe Jesu zu uns die Gewissheit finden, dass wir von Gott angenommen sind. So können wir auch uns selbst mit unserer Schuld und Zerrissenheit annehmen.


Gottes Ruf an uns

Dennoch tun wir uns schwer damit, uns anzunehmen, wie wir sind, mit all unseren Schwächen und Gebrechen. Wie oft klagen wir Gott an für die Verhältnisse, in denen wir leben, für die Schicksalsschläge, die Er uns gibt, und für all das, was wir nicht sind und nicht haben aber gerne wären oder hätten.
Wir machen ständig unseren Selbstwert von äußeren Dingen wie Aussehen, Erfolg, Wohlstand oder Status abhängig und erhoffen uns, damit die Anerkennung der Gesellschaft und die Liebe unserer Mitmenschen zu erhalten. Selbst, wenn dies uns gelingen sollte, bleibt dieses vermeintlich erlangte Selbstwertgefühl flüchtig, da es auf sehr unbeständige Faktoren beruht. Das, was letztendlich zurück bleibt, sind Gefühle von Leere, Unzufriedenheit und Unglücklichsein.

Wahres Selbstwertgefühl und –sicherheit können wir nur durch unseren Glauben an Gott bekommen. Er ist derjenige, der uns stärkt, wenn wir schwach sind, der uns aufrichtet, wenn wir fallen, der uns Mut, Kraft und Halt gibt, wenn wir nicht mehr weiter wissen.
Jesus Christus ist für uns auf die Erde gekommen, um uns ein erfülltes Leben zu schenken. Er zeigt uns, dass, wenn wir uns Gott zuwenden, Er sich auch uns zuwenden und uns zu sich ziehen wird. Nähe, Wärme und Geborgenheit finden wir an Seinem Vaterherzen.

Doch wir müssen bereit sein, Seinem Ruf zu folgen und allein Ihm zu dienen, d.h. alles dafür in der Welt aufzugeben, denn „so jemand die Welt liebt hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters“ (1. Joh 2,15). Die wahre Nachfolge Jesu antreten heißt also: umkehren, Buße tun, Gottes Gebote halten und Jesus Beispiel folgen, also ein bescheidenes Leben voller Demut, Liebe und Sanftmut führen. Das heißt aber auch: das Kreuz annehmen, das Jesus uns gibt, und selbstverleugnend allen Reizen dieser Welt entsagen (Mt 16,24; Mk 8,34). Dazu gehören auch Krankheit, Leid und Not, die uns zu unserer Reinigung dienen, damit wir uns von unseren Schwächen, Begierden und Leidenschaften befreien und zu einem neuen Menschen werden können (2. Thes 1,5; 2. Kor 5,17).
Aber wir sind nicht alleine auf diesem schwierigen Weg. Jesus ruft uns auf: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Mt 11,28). Er fordert uns also auf, uns mit unseren Sorgen und Problemen vertrauensvoll an Ihn zu wenden. Und derjenige, der ernsthaft bittet, wird von Gott erhört und Gnade und Erbarmung von Ihm erhalten. Das zu wissen gibt Stärke und Sicherheit.
Solange wir nicht vollkommen sind, werden wir weiterhin auf unserem Weg zu Gott Fehler machen und sündigen, aber das gehört zum Werdegang eines Christen dazu. Dazu  sollten wir auch stehen und uns nicht verstecken oder etwas vormachen. Wir sollten es vielmehr als Ansporn nehmen, immer mehr an Jesus festzuhalten, Ihn um Vergebung zu bitten sowie um die nötige Führung und Stärke, um dieses Fehlverhalten abzulegen. Wenn wir es wirklich ernst meinen, wird uns vergeben werden und wir werden die Kraft Gottes, die uns trägt, in uns erfahren. Dann wachsen wir auch mehr in der Liebe zu Gott – sind wir von dieser erfüllt, werden wir auch mit mehr Selbstbewusstsein auftreten und wie Jesus‘ wahre Jünger durch unsere Worte und Taten uns alltäglich zu Jesus bekennen.
Dabei sollten wir nicht zaghaft und ängstlich sein, denn selbst wenn wir dafür ausgelacht und verspottet werden, so wissen wir, dass es zu unserer Aufgabe als Christ dazu gehört: „[…] weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählt, darum hasst euch die Welt“ (Joh 15,19). Jesus‘ Reich ist nicht von dieser Welt (Joh 18,36); und „alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“ (1. Joh 5,4).
Wenn wir in diesem Glauben und in dieser Hoffnung bleiben, darauf bauen und vertrauen, werden wir immer ausreichend Lebensmut finden und eine positive Einstellung zum Leben behalten. Wir werden nicht mehr nach den flüchtigen Dingen dieser Welt haschen, sondern tief in unserem Herzen den Frieden finden, den Jesus uns versprochen hat und den die Welt niemals geben kann (Joh 14,27).


Nächsten- und Selbstliebe

„Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Mt 22,37-40)

Mit dieser Aussage lädt uns Jesus ein, in eine innige Beziehung zu Ihm zu treten, d.h. unser ganzes Leben, Lieben und Streben nach Ihm auszurichten, sodass Er unser ganzes Dasein ausmacht. Gleichzeitig erklärt er uns hier auch, wie die Beziehung zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst aussehen soll.
Wer aufmerksam liest, bemerkt, dass Gott an erster Stelle kommt, dann unser Nächster, und zuletzt wir selbst. Wird dürfen also auch uns selbst lieben, aber wir dürfen nicht Selbstliebe mit Egoismus verwechseln: Sich seinem Wert als Kind Gottes und seiner eigenen durch Jesus uns gegebenen Stärke bewusst sein hat nichts damit zu tun, sich aus sich heraus groß, stark, mächtig, außergewöhnlich und begehrenswert vorzukommen. Das Erstere entspricht einem gesunden Selbstbewusstsein, das Zweitere nur dem puren Hochmut. Dass sich dieser aber der Gottes- und Nächstenliebe völlig entgegensetzt, wird an vielen Stellen in der Bibel deutlich (Dan 5,20; Spr 8,13; Spr 16,18; Ps 31,24; Jes 13,11; Jer 49,16; Luk 1,51; Röm 1,28-32; Jak 4,16 u.a.).

Wie kann man aber als selbstbewusster Christ den Anderen lieben wie sich selbst? Indem man seinen Glauben in die Tat umsetzt und dadurch seine Liebe zu Jesus und seinen Mitmenschen bestätigt, denn „gleichwie der Leib ohne Geist tot ist, also ist auch der Glaube ohne Werke tot“ (Jak 2,26; Jak 2,17).
Und wie wird der Glaube lebendig?
  • Wenn wir alles für unseren Nächsten tun, was wir auch möchten, dass er für uns tut (Mt 7,12; Lk 6,31).
  • Wenn wir uns den Armen, Kranken und Ausgegrenzten barmherzig zuwenden und für sie sorgen (Mt 25,31-46).
  • Wenn wir demütig und uneigennützig den Anderen dienen und uns für sie einsetzen (1. Ptr 4,10; Röm 12,3-8).
  • Wenn wir auf jede Art von Gewalt verzichten (Mt 5,21+39; Röm 13,10) und unseren Feinden vergeben (Mt 5,44; Lk 6,27; Röm 12,14; 1. Kor 4,12).
  • Wenn wir bereit sind, unser Leben für unseren Nächsten hinzugeben (1. Joh 3,16).

Wer Gott liebt, liebt auch seine Mitmenschen (1. Joh 4,21), und was er für sie tut, das tut er auch für Gott (Mt 25,40). Gott aber ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm (1. Joh 4,16). Durch die Liebe wird also Gott für uns greifbar und konkret erfahrbar.

Eine egoistische Selbstliebe kann aber Gott nicht wahrhaft lieben und erfahren, weil sie nicht rein und uneigennützig ist und weder Gott noch seinen Nächsten über sich und der Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse stellt. Deswegen wird sie gerade in christlichen Kreisen oft verpönt und einer selbstlosen Demutshaltung gegenüber gestellt.
Doch es liegt eine große Gefahr darin, sich in einer falschen Demut zu verfangen: Man dient seinem Nächsten mit Freude, unterstützt ihn gerne bei seinen Unternehmungen, unterwirft sich ihm fast… sieht aber dabei nicht, dass gerade dadurch der eigene Stolz und die Eigenliebe genährt wird. Machen wir das alles wirklich nur für den Anderen, oder für den eigenen Ruhm und Ehre? Wollen wir wirklich so selbstlos sein, oder nur beweisen, welch großmütige und ergebene Christen wir sind, um dadurch Vorteile für uns zu erhalten oder in unserer Gemeinde Anerkennung und Bewunderung zu finden? Eine eindeutige Ja- oder Nein-Antwort wird es auf diese Fragen wohl nur selten geben. Daher prüfe ein jeder sein Herz und schaue genau hin, wie es wirklich gesinnt ist, d.h. welche Beweggründe sich wirklich hinter all seiner guten Taten verstecken. Sich selbst belügen bringt dabei nichts, denn Gott prüft die Herzen eines jeden Menschen (Spr 21,2; 1. Thes 2,4).

Opfern wir Gott also auch diese Schwächen und bitten wir Ihn, uns den rechten Weg zu weisen, damit folgende Aussagen Wirklichkeit für uns werden:
  • Wahrhaft demütig ist nur derjenige, der sich seines eigenen Wert bewusst ist, aber deswegen ihn nicht ständig unter Beweis stellen muss.
  • Wirklich frei ist nur derjenige, der sich hinten anstellen kann, ohne gleich zu fragen, was er dafür zurückbekommt.
  • Aufrichtig lieben kann nur derjenige, der seine Liebe grenzenlos weitergibt, ohne dafür zurückgeliebt werden zu wollen.


„Die Liebe ist langmütig und freundlich,
die Liebe eifert nicht,
die Liebe treibt nicht Mutwillen,
sie bläht sich nicht,
sie stellt sich nicht ungebärdig,
sie sucht nicht das Ihre,
sie lässt sich nicht erbittern,
sie rechnet das Böse nicht zu,
sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit,
sie freut sich aber der Wahrheit;
sie verträgt alles,
sie glaubt alles,
sie hofft alles,
sie duldet alles.
Die Liebe hört nimmer auf.“

Korinther 13, 4-8







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